Kopernikus und die Quantitätstheorie des Geldes

Original: Copernicus and the Quantity Theory of Money
Aus dem Englischen von Pascal Topolewski

Abgewendet von den Extremisten der Protestanten und Wiedertäufern gab es im 16. Jahrhundert Katholiken, die weder als Scholastiker galten, noch die Reformation unterstützen, aber einen bedeutenden Teil zur Entwicklung eines ökonomischen Grundgedanken beitrugen.

Einer von ihnen war ein Universalgenie, dessen neue Sicht der Dinge sich in der Weltgeschichte verewigte: der Pole Nikolaus Kopernikus (1473-1543). Kopernikus wurde in Torun geboren, als es Teil des Königreichs Preußen war. Später stand es unter der Herrschaft des Königreichs Polen. Er stammte aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie. Sein Vater war Großhändler und sein Onkel und Mentor war der Bischof von Ermland. Kopernikus bewies sich als unverbesserlicher Forscher und Theoretiker auf vielen Gebieten. Er studierte Mathematik an der Universität von Krakau, wurde zu einem begabten Maler und studierte das Kirchenrechts und die Astronomie an der Universität von Bologna. Als Kleriker nannte man Kopernikus am Alter von 24 Domherr der Kathedrale von Frauenburg. Doch anschließend verabschiedete er sich, um in Rom zu unterrichten und in verschiedenen Bereichen zu studieren. 1503 promovierte er im Kirchenrecht an der Universität von Ferrara und erhielt zwei Jahre später seinen Medizinabschluss an der Universität von Padua. Er versorgte als Arzt seinen Onkel, den Bischof, und diente später hauptsächlich als Domherr der Kathedrale.

Währenddessen entwickelte dieser bemerkenswerte Theoretiker neben seiner alltäglichen Beschäftigung das neue astronomische System, indem sich die Erde und die Planeten um die Sonne drehen und nicht umgekehrt.

Als König Sigismund I von Polen Kopernikus um Rat für Reformen gegen die verworrene Währung des Landes bat, wendete dieser seine Aufmerksamkeit finanziellen Strukturen zu. Seit 1460, war preußisch Polen, wo Kopernikus lebte, ein Land mit drei unterschiedlichen Währungen: die Währung des Königreichs Preußen, die des Polnischen Königreichs und die Währung vom Preußen des Deutschen Ordens. Keiner der Staaten hielt den Wert des Geldes konstant. Speziell der deutsche Orden entwertete die Währung und brachte billiges Geld in Umlauf. Kopernikus beendete seine Arbeit 1517. Diese wurde der Vollversammlung des Königreichs Preußen 1522 zugesand und vier Jahre später veröffentlicht.

Obwohl die Vorschläge von Kopernikus nicht angenommen wurde, leistete seine Münzdenkschrift (orig. Monetae cundendae ratio, 1526) einen wichtigen Beitrag zum allgemeinen finanziellen Denken. In erster Linie unterstützte Kopernikus das Greshamsche Gesetz, wie bereits anderthalb Jahrhunderte Nicole Oresme. Wie bei Oresme war die erste Feststellung, dass Geld ein Maß für den allgemeinen Marktwert darstellt. Kopernikus stellte fest, dass wenn der Wert vom Staat kontrolliert wird, so wird Geld, das billig gehalten wird, immer wertvoller. Deswegen erklärte er, dass eine vollgewichtete Münze [der Geldwert entspricht dem Echtwert; hinzugefügt vom Übersetzter] und eine schwache Münze [der Geldwert übertrifft den Echtwert; hinzugefügt vom Übersetzter] nicht zusammen im Umlauf bestehen können. Dabei wird das gute Geld aufgehoben, eingeschmolzen oder exportiert, während das schwache Geld im Umlauf bleibt. Weiterhin bestünde die theoretische Möglichkeit, den rechtlich geltenden Geldwert beider Währungen regelmäßig an ihren schwankenden Marktwert anzupassen, aber in der Praxis sei der Staat mit dieser Aufgabe überfordert.

Im Rahmen seiner Debatte war Kopernikus der erste, der die »Quantitätstheorie« aufwarf – laut dieser Theorie stehen die Preise in direkter Verbindung zu der Menge des Geldes in der Gesellschaft. Das vollbrachte er trotz der fehlenden Beobachtung von inflationären Bargeldströmen in der Neuen Welt 30 Jahre vor Azpilcueta Navarrus. Kopernikus war damals noch ein typischer Theoretiker. Der Ablauf in seiner Quantitätstheorie beginnt mit der Entwertung, die zu einem quantitativen Anstieg der Geldzufuhr beiträgt, was wiederum die Preise steigert. Er hebt vor, dass die Geldzufuhr dabei den ausschlaggebenden Faktor für den Preis darstellt. »In unserer Faulheit, bemerken wir nicht, dass der hohe Preis, den wir zahlen, das Ergebnis des billigen Geldes ist. Denn Preisanstieg und -senkung hängen am Zustand der Währung.«

Veröffentlicht am 15.09.2011
Schlagworte: markt mises.org wirtschaft geld währung

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